Art & Design
Künstler sind dafür bekannt, stets die abgefucktesten, skurrilsten und entlegensten Plätze einer Stadt für ihre Ateliers auszuwählen. In Paris fiel die Wahl auf ein ehemaliges Bestattungsinstitut, das allerdings nicht wie in vielen anderen Metropolen einfach von Kreativen besiedelt, sondern von der Stadt um 100 Millionen Euro zum sogenannten „Centquatre“ (104) umgebaut wurde. Mit der Investition möchte die Stadt nicht nur den armen, von vielen Ausländern besiedelten 19. Bezirk aufwerten, sondern auch ein Zeichen für die florierende Kunstszene setzen.
Es entstand eine einzigartige Bobo-Blase inmitten eines Problemviertels. Die Künstler zieht es an. Sie können die Räumlichkeiten gratis nutzen – mit der einzigen Auflage: sie müssen mit dem Publikum interagieren, was böse Zungen sogleich als Künstler-Zoo bezeichneten. Doch auch wenn das Centquatre eine künstliche Attraktion ist, funktioniert es doch blendend: In der Optik einer Bahnhofshalle betritt man den mit Glas überdachten großzügigen Eingangsbereich. Von dort gelangt man dann zu unzähligen Ausstellungsräumen, Konzertsälen, Geschäften und Restaurants. So werden auf 16.000 Quadratmetern alle Sinne zum Leben erweckt. Und das in einem Bestattungsinstitut.