Art & Design, Die Insider
Die Inszenierung von Hotels und Restaurants in der Schweiz und dem benachbarten Ausland – das ist das Spezialgebiet von Monica Märchy und Martin Roth. In der Freizeit sind die beiden Gestalter und Kommunikationsexperten oft mit ihrem sechsjährigen Sohn in den Bergen. Ein Insiderblick vom Studio Roth und Maerchy über die Zürcher Stadtgrenze hinaus.
Was gibt es Neues in der Schweiz?
Nicht neu, aber neu zu entdecken: die Salginatobel-Brücke im Kanton Graubünden. Die Stahlbetonkonstruktion aus den 30er Jahren übertrifft an Eleganz und Ingenieurkunst jeden Calatrava-Bau um Längen. Sie zählt zu den offiziellen, rund 30 Weltmonumenten unseres Planeten (zusammen bspw. mit dem Eiffelturm in Paris oder der Freiheitsstatue in NY). Die Reise von Zürich ist nicht weit, zwei Stunden maximal. Man steigt im Zürcher Hauptbahnhof in den Zug nach Landquart, nimmt dort den Bus nach Schiers und wandert eine halbe Stunde durch den Salginatobel zur Brücke hinauf. Und dort verschlägt es einem den Atem. Mit Garantie.
Was sollte man dort unbedingt unternehmen?
Das Verrückte ist ja, dass diese 100 Meter hohe Bogenbrücke nur ein kleines Bergdorf mit dem Tal verbindet. Das Dorf heißt Schuders und dort sollte man nach der Brückenbesichtigung unbedingt hin. Die Fahrt hinauf ist schlicht spektakulär. Ca. 20 enge Spitzkehren auf einer einspurigen Bergstrasse (und wenn einer entgegenkommt? … ). Oben angekommen kehrt man im Berggasthaus Post ein und gönnt sich nach überstandener Höhenangst einen Coupe Dänemark. Hier wirten Barbara und Walter Tschopp. Wahrlich ein Insidertipp.
Ein Ort in der Schweiz, an den man sich zurückziehen kann?
Bleiben wir im Bündnerland und reisen ins Unterengadin nach Lavin. Das kleine Dorf ist der erste Halt nach dem Vereinatunnel und auch nur ein Katzensprung von Zürich entfernt (2 Stunden Reise mit Zug oder Auto). Der Ort ist alles andere als eine mondäne Alpendestination. Trotzdem oder gerade deshalb verbringen hier Künstler von Weltruhm und Kreative aller Sparten ihren Urlaub. Mitten im Dorf befindet sich das Hotel Piz Linard (7543 Lavin). Ein wunderbares Haus mit viel Kultur und überdurchschnittlicher Küche, sanft renoviert und mit Verve geführt von Gaby und Hans Schmid. Viele Zimmer sind von Künstlerhand geschaffen. Archaisch beispielsweise das „Suot il tet“ von Madlaina Lys und Flurin Bischoff.
Welches Bio-Restaurant können Sie uns empfehlen?
Wir bleiben in Lavin und besuchen die Staziun, das Bahnhofstationshäusschen. Hier haben ein paar umtriebige, von Zürich abgewanderte Neu-Laviner ein kleines Bistro geschaffen. Hausgemachte Kuchen, wunderbare Glaces, das Biobier aus der Region, die beste Engadiner Nusstorte weit und breit, Salsiz (geräucherte Rohwurst) sowie wunderbaren Käse vom Biobauer und Co-Betreiber Jürg Wirt. Der Witz an der Sache: hat das Bistro geschlossen, verwandelt sich die Staziun wieder in ein typisches Wartehäuschen der SBB. (Bistro Bahnhof Lavin, 1500 Meter Seehöhe)
Der beste Designer hier?
Ins Leben gerufen hat die Staziun interessanterweise ein Designer aus Zürich. Vali Hintermann ist einer der profiliertesten Buchgestalter im Lande und eine prägende Figur der Zürcher Grafikerszene. Weil ihm das Stadtleben allein nicht genug war, hat er sich in Lavin eine zweite Welt aufgebaut. Man kann getrost behaupten, einer der besten Gestalter in Zürich führt eines der ungewöhnlichsten Bistros im Engadin.
Eine Galerie der anderen Art?
Im August jedes Jahr macht das Schweizerische Bundesamt für Kultur halt in Lavin und präsentiert im Holzschopf der Staziun die Ausstellung „die schönsten Schweizer Bücher“. Eine Wochenend-Galerie der etwas anderen Art, ein Stelldichein der bekanntesten Buchdesigner auf 1500 Meter über dem Meeresspiegel, bewirtet vom Staziun nebenan.
Wo kaufen Sie Ihre Mode ein?
Wem das alles zu ländlich ist, der bleibt getrost in Zürich und geht shoppen – wofür sich Zürich gemessen an seiner Größe erstaunlich gut eignet. Die Herrenausstatter Bruno und Moritz am Kreuzplatz (Kreuzbühlstraße 42) verkaufen nicht nur kosmopolitischen Style in hoher Qualität, sie sind auch recht lustig. Die Damen gehen währenddessen in die nahe Neptunstrasse 2 zu Kazu Huggler. Die Zürcherin mit japanischen Wurzeln gehört zu den spannendsten Modemacherinnen der Stadt. Ein Geheimtipp im Trendquartier Kreis 4 ist die Boutique Erbudak (Engelstraße 62). Ihr ausgewähltes, modernes Sortiment für Frauen ist sehr persönlich, die Betreuung durch Dilara Erbudak ebenso.
Die beste Bar in Zürich?
Eine der besten Bars in Zürich betreut Dilara Erbudak’s Partner Pascal Kählin zusammen mit drei gleich Gleichgesinnten. Die Bar63 im Kreis 4 an der Rolandstrasse (Nr. 19) hat einen eigenwilligen Schwerpunkt: Rum. Rum in fünfzig verschiedenen Marken, beschrieben in einem Buch mit Buchzeichen. Hier bekommt man Drinks, die sonst nur auf einer gottverlassenen karibischen Insel zu haben sind, originalgetreu, liebevoll.