Die Insider, Food & Drink
Josef Trippolt junior zählt zu den Spitzenköchen Österreichs. Gemeinsam mit seinem Vater Josef Trippolt senior führt er das Restaurant Trippolt’s Zum Bären in Bad St. Leonhard im Lavanttal. Wer, wenn nicht er, kann bessere kulinarische Tipps aus Kärnten geben.
Gibt es den Kärntner “Geschmack”?
Der typische Kärntner Geschmack war früher sehr deftig: Kasnudeln, Ritschert, Haxlsuppe, Sterz und Reindling. Heute findet man diese Geschmäcker immer noch, aber in kreativerer Form und vor allem leichter interpretiert.
Essen am Wörthersee: Ihre Lieblingsplätze?
Maria Loretto: Lieblingsplatz aus Nostalgiegründen. Hier fand eines der ersten Rendevouz mit meiner Frau statt (Lorettoweg 48-54). Ganz nett: das Lakeside mit seinen funky Drinks. Zum Schmunzeln: Hier sind auch außerhalb der Fete Blanche beim Publikum fast immer weiße Klamotten angesagt (Süduferstraße 104c). Wahnsinns-Aussicht: Seerestaurant Saag von Hubert Wallner mit seiner Top-Terrasse. (Nr. 11, Saag) Geheimtipp: Landgasthof Trattnig am Trattnigteich bei Schiefling. (Trattnigteichstraße 1)
Wo kaufen Sie Kärntner Produkte für die Küche ein?
Unsere Flusskrebse stammen aus der Drau bei Völkermarkt. Dann gibt es noch Tauernlamm, Fleisch von der Lavanttaler Almzucht und vom Metzger im Ort, Kärntner Fisch von der Fischzucht Marzi im Lavanttal (Völking 4, St. Stefan), Schafkäse-Produkte von Biohof Käserei Skofitsch (Winklern 1, Volkermarkt), wilde Bachkresse zupfe ich im Feistritzbach, vom Laufen am Morgen bringe ich Gundelrebe, Löwenzahn, Schafgarbe, Brennnesseln usw. mit. Eine liebe Dame aus dem Ort sucht für uns die Schwammerln, pflückt Preiselbeeren auf der Leonhardi-Alm…
Was schlagen Sie als kulinarisches Mitbringsel aus Kärnten vor?
Apfelfrizzante von Dominikus Spendel als prickelndes Wow aus dem Lavanttal. Wer sich mit dem „Mini“ gut stellt, darf seine Mostsalami kosten. (Legerbuch 30, Sr. Paul) Dann Kärnten Kaviar von den Brüdern Sicher aus Tainach (Mühlenweg 2), edle Schokolade von Dieter Craigher aus Friesach (Hauptplatz 3) und das Schnapserl von Pfau (Schleppe-Platz 1, Klagenfurt).
Welche Region in Kärnten hat aus Ihrer Sicht kulinarisch/touristisch das größte Potenzial?
Das größte Entwicklungspotenzial hat bestimmt das Lavanttal. Hier finden keine große Shows und keine Inszenierungen statt, alles ist authentisch, echt, unverdorben. Das Problem: Die wenigsten wissen das.
Kärntner Wein – ein ernstzunehmendes Thema?
Obwohl es den Weinbau seit hunderten Jahren in Kärnten gibt, gilt ein Winzer hier oft noch als Pionier. Die Zeit der skeptischen Blicke ist fast vorbei. Zur Qualität: Die zeigt sich sehr unterschiedlich. Von Spitzenklasse bis supergrauslich. Sehr viele Weine sind frisch, fruchtig und säurebetont. Heißt: rasch trinken! Was mir gefällt: Kärntner Wein ist authentisch und typisch – das ist seine große Stärke. Probieren: Chardonnay oder Sauvignon Blanc von Sem Kegley und Georg Lexer aus Karnburg. Top: Weine vom Lavanttaler Erwin Gartner wie Rheinriesling und Sauvignon Blanc. Kärntner Wein wird als Rarität gehandelt: Kaum abgefüllt, ist er auch schon vergriffen.
Ihre kulinarische Kärnten-Kindheitserinnerung?
Die obligatorische Selchwurst am Heiligen Abend. Die gibt es heute noch. Nur ein einziges Mal haben wir an Weihnachten groß aufgekocht – niemandem hat es geschmeckt, weil alle die Selchwurst vermisst haben. Gut kann ich mich an den pappigen Grieskoch erinnern, wenn ich krank war. Mit furchtbar grobem Kristallzucker, Zimt und einem Haufen Rosinen.
