Food & Drink
Geht’s der Wirtschaft schlecht, geht’s den Restaurants schlecht. Eine alte Weisheit, die noch immer stimmt: Seit das (ab)gehobene Management wieder Jausenbrote mit in die Firma nimmt, herrscht gähnende Leere im Fine Dining Business – zumindest mittags. Als wären die Gastronomen nicht schon bestraft genug, gehen gute Esser nun auch abends in den Untergrund. Guerilla Restaurants heißt der neue Trend in London: Enthusiastische Wohnungsbesitzer versuchen sich als Gourmetköche. Wer sich vorher übers Web anmeldet, für den wird wie im Haubenlokal aufgekocht – meist zu einem Bruchteil des Preises. Dass das ganze nur halb legal ist, macht die Sache erst wirklich interessant.
Zwölf dieser Lokale soll es bereits in London geben. Star der Szene ist Ms. Marmitelover (marmitelover.blogspot.com). Eine alleinerziehende Exjournalistin und Hobbyköchin, ihren richtigen Namen verschweigt sie. In ihrem Underground Restaurant – natürlich ihre Privatwohnung – verpflegt sie abends bis zu 45 Gäste. 28 Euro kostet das vegetarische Menü, elf die Weinbegleitung. Ms. Marmitelovers ist bis ins nächste Jahr ausgebucht. Davon träumen heimische Gastronomen nur.
Der Ferran Adria der verbotenen Privatküche heißt Nuno Mendes. Früher arbeitet er als Koch im El Bulli, jetzt steht er – wenn er nicht gerade in seinem Lokal LOFT kocht, an manchen Tagen in seiner Wohnung im Londoner Stadtteil Dalston vor dem Herd – nicht ganz gesetzeskonform natürlich, deswegen muss man auch zuerst “Mitglied” werden auf www.nunomendes.co.uk. Aber Achtung, Manager: Günstig ist das nicht. Nuno nimmt 100 Pfund für das Molekular-Menü, 12 Gänge und der Wein ist inklusive. Selbstverständlich spendet jeder Gast den Betrag, alles andere wäre ungesetzlich! Übrigens: Nuno eröffnet im März 2010 ein neues, legales Restaurant: das Viajante im Stadtteil East London.