Art & Design, Die Insider
Gerhard Waldherr nennt Berlin seit sechs Jahren seine Heimat. Zuvor lebte er in New York. Aktuelles Werk des Journalisten und Buchautors: „Bruttoglobaltournee“!
Stichwort: Bewegung. Wenn der Tag lang war und das Fleisch müde wird. Ihr Hoteltipp?
Fangen wir mit fünf Sternen an. Mein Tipp: das Adlon Kempinski (Unter den Linden 77). Kontrastprogramm ist sicher der Askanische Hof (Kurfürstendamm 53). Die Zimmer fühlen sich an wie zur Untermiete bei einer strengen, soignierten, älteren Dame mit gutem, konservativem, zu üppigen Details tendierendem Geschmack. Und dann gibt es den guten Deal: Lindemann’s (Potsdamer Str. 171-173): Ein bisschen Designerhotel, aber nicht zuviel. Halbwegs zentral und doch in einer Ecke, die nicht Hype ist. In der Nähe ist eine Cocktailbar in einem alten Eisenbahnwaggon (Train im Kleistpark) sowie der Winterfeldtplatz mit einem der schönsten Wochenmärkte Berlins (Mi, Sa).
Der Tag danach. Berlin erwacht. Langsam. Wo gibt es gutes Frühstück?
Das Café am Ufer (Paul-Lincke-Ufer 42): italienisch, orientalisch, französisch oder deutsch – alles üppig und frisch, ohne überflüssiges Gefummel. Ein Wunder ist Winterfeldt Schokoladen (Goltzstr. 23). Ein Kaffee-Schokoladen-ich-schau-mir-die-Regale-an-und-träume-mich-wach-Himmel in einer alten Apotheke. Die Chefin macht die Schokoladen selbst, der Kaffee kommt im Zierporzellan. Und erst das Soufflé mit flüssigem Schokoladenkern! Dafür würde man mindestens eine Bank ausrauben. Zu guter Letzt das Café Bravo (Auguststr. 69): im Hinterhof der KunstWerke, der Keimzelle des Berliner Kunst- und Galerienbooms. Der Glaspavillon, in dem man sitzt, ist ein Kunstwerk von Dan Graham.
Zeit für eine ausgiebige Shoppingtour durch die Stadt. Ihre persönlichen Favoriten?
Das Kramari (Gneisenaustr. 91). Die Inhaber, ein griechischer Bastler und eine Türkin mit dem magischen Auge, haben alles von Art Déco über Industriechic bis hin zu Plastik aus den Siebzigern. Und das Murkudis (Potsdamer Str. 77-87) in der ehemaligen Druckerei der Tageszeitung “Tagesspiegel”: Möbel, Mode, Handtaschen, Sonnenbrillen und vieles mehr. Schließlich ist das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in der Tauentzienstraße 21-24 ein Muss! Guter Anzug, ein Weihnachtsgeschenk für die Mama, ein fulminantes Stofftier von Steif und nachher Austern essen.
Das Beste zum Schluss: Ihr absoluter Lieblingsplatz in der Stadt?
Ich habe zwei: Der kleine Lieblingsplatz ist das Heldart (Erkelenzdamm 61, 2. Stock), wo Matthias Held in einer auf ihren Kern reduzierten Altbauwohnung Kunstausstellungen veranstaltet, die beispielsweise „Journey into unknown worlds: a post-apocalyptic tale about humanity“ heißen. Hier habe auch ich mein Buch vorgestellt. Mein großer Lieblingsplatz ist der Alexanderplatz: so viel Beton, sozialistischer Popanz, monströse Tristesse. Und doch: einmalig, alleine schon weil ewig unfertig seit der Wende.