Die Insider, Fashion & Lifestyle
Piers Schmidt leitet das Consultingunternehmen Luxury Branding in Kapstadt. Sein aktueller Coup: die LUX Island Resorts.
Wo haben Sie was in Kapstadt zum ersten Mal gehört oder gesehen?
Das war am Tag des Viertelfinales der Fußball-Weltmeisterschaft. Ich ging den Fußweg von Kapstadts Zentrum zum prächtigen WM-Fußballstadion mit meinem fünf Jahre alten Sohn auf meinen Schultern. Wir hatten keine Eintrittskarten für das Spiel (Deutschland gegen Argentinien), aber es war eine tolle Party außerhalb des Stadions im Gange. Und dann, innerhalb von wenigen Spielminuten, brachen die unglaublichsten Anfeuerungsrufe im Stadion aus: Deutschland führt 1:0. Der Lärm war wirklich ohrenbetäubend, begleitet von einem riesigen Orchester von Vuvuzelas. So etwas hatte ich noch nie gehört und keiner wird das je vergessen. (Vlei Road)
Ihr letzter Wow-Moment, wo war der?
Ich habe das Glück, in Hout Bay, einem kleinen Dorf am Meer zu leben, das etwa 18 km vom Stadtzentrum von Kapstadt entfernt ist. Die Küstenstraße zwischen meinem Haus und meinem Büro führt mich entlang der kleinen Ortschaft Llandudno und dann über die Kloof Road, vorbei an dem berühmten Vorort Camps Bay mit Blick auf den Tafelberg. Ich fahre diese Route zweimal am Tag, und egal ob es regnet oder die Sonne scheint, jedes Mal sage ich mir: „Wow, das ist großartig!“ Der Tafelberg, die angrenzende Zwölf Apostel-Bergkette, der Atlantik und die grünen Täler von Hout Bay. Das ist für mich das Paradies.
Welcher Teil von Kapstadt ist Ihrer Meinung nach im Kommen?
Für viele ist es ganz klar der Vorort Woodstock – einer der ältesten von Kapstadt – mit seinen kleinen Handwerkerhäuschen und den äußerst beliebten Stadtteilmärkten bei der Old Biscuit Mill. Ich selber bevorzuge die zentraleren Bereiche, die als Bo-Kaap bekannt sind. BO-Kaap ist das ehemalige Cape Malay-Viertel und thront am Fuße des Signal Hill über der Stadt. Es zeichnet sich durch seine farbigen, lauten Moscheen und schön gepflasterten Straßen aus und ist von bunt bemalten Häusern geprägt. Es ist auch die Heimat von Haas, einer neuen Generation von handwerklichen Kaffeeröstern in Kapstadt. Auch unser Büro liegt hier.
Kapstadt und seine Geschichte: Welcher Teil der Stadt hat etwas zu erzählen?
Es ist nur noch wenigen bekannt, dass Kapstadt einst eine Straßenbahnlinie hatte. Das Straßenbahndepot war in der Tramway Road am Sea Point gelegen. Etwa 150 Arbeiterfamilien lebten in der Umgebung, sie wurden aber in den frühen 1960er-Jahren gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben. Seit diesem Zeitpunkt hat das Land brach gelegen – ein emotionaler Schandfleck in einer der wohlhabendsten Wohngegenden Kapstadts. Im Juni 2011 wurden in einem Prozess die Regressansprüche der früheren Anwohner erfolgreich abgelöst und ein neues Wohnprojekt ist dort kurz vor der Fertigstellung, das den enteigneten Familien zugutekommt.
Stellen Sie sich bitte vor, Sie wollen einen verrückt-lustigen Abend verbringen? Wo gehen Sie hin?
Dafür sollte man in die schöne, malerische Stadt Darling fahren und das Kult-Travestie-Theater „Evita se Perron“ besuchen! Der Südafrikaner Pieter Dirk Uys, alias Evita, treibt dort mit scharfem satirischen Biss als Evita Bezuidenhout sein Unwesen auf der Bühne. Das „Evita se Perron” wurde bereits vor 15 Jahren eröffnet. Der Bahnsteig ist eine Bühne, denn „Se Perron“ bedeutet auf Afrikaans „Ihr Bahnsteig“. (Old Darling Station, 8 Arcadia Street)