Art & Design, Die Insider
Dem Museion – Museum für Zeitgenössische und Moderne Kunst – in Bozen steht eine Frau vor: Letizia Ragaglia. Sie weiß, wo in Südtirol die Kunst wohnt.
Wir sind an zeitgenössischer Kunst in Südtirol interessiert. Sie sind die Expertin. Was müssen wir gesehen haben?
Natürlich das Museion (Dantestraße 6, Bozen). Aber auch die Galerie Ar/ge Kunst in unmittelbarer Nähe (Museumsstraße 29, Bozen) sowie das Kunsthaus in Meran (Lauben 163, Meran). Bald werden die Werke eines Bozner Sammlers, Antonio Dalle Nogare, in einem spektakulären Neubau öffentlich zugänglich sein. Das darf man sich auch nicht entgehen lassen!
Welche Kunstveranstaltung in Südtirol hat Ihnen das letzte Mal ein „Wow!“ entlockt?
Transart, das Festival für Zeitgenössische Kultur, das jeden Herbst im ganzen Land über die Bühne geht, schafft es jedes Jahr, mir ein „Wow!” zu entlocken. Immer noch sehr präsent ist die Tanzperformance von Meg Stuart 2010 – ein Tänzer unter einem Kartondach allein auf der Bühne, wo es 90 Minuten lang unaufhörlich geregnet hat. Eine sinnliche Metapher für das „dem Kontext Ausgesetztsein“ schlechthin.
Wo suchen und finden Sie kreative Köpfe in Südtirol?
Das Interessante an Südtirol ist, dass sich die so genannten kreativen Köpfe oft in den entlegensten Tälern befinden. Dann studieren sie an den verschiedensten Akademien und früher oder später kreuzen sich unsere Wege. Unsere Tür ist immer offen und viele junge Künstler melden sich von selbst, aber manchmal werden sie mir von Freunden signalisiert oder der Südtiroler Künstlerbund spielt beim Talentscouting mit. Panorama, eine „Monitoring-Ausstellung“ der jungen Kunst in Südtirol, die alle zehn Jahre stattfindet, auch heuer, ist da immer sehr hilfreich.
Ein Tipp für Sammler – wo kaufen Sie selbst zeitgenössische Kunst aus Südtirol?
Ich selbst kaufe nicht ein, das Museum schon. Dabei muss ich betonen, dass ich eine Verfechterin des Einkaufs bei Galerien bin. Also auf zu den Südtiroler Galerien, wie Goethe (Mustergasse 1) und Goethe2 (Kapuzinergasse 26), Leonardo (Leonardo-da-Vinci-Straße 14), Antonella Cattani (Rosengartenstraße 1/A) in Bozen oder zu Erwin Seppi in Meran (Laubengasse 75). Spannend ist aber auch immer die Weihnachtsauktion des Südtiroler Künstlerbundes (Weggensteinstraße 12, Bozen) – da gibt es immer einige „Schnäppchen“.
Zur Kultur gehört auch der Genuss – das bringt uns zum Essen. Welcher Koch tischt Ihr Lieblingsgericht auf?
Ich bin sehr oft auf der Seiser Alm, da gibt es die Gostner Schwaige, wo ein junger Koch, Franz Mulser, mit Blumen kocht und eine herrliche Heusuppe auftischt. Ansonsten gehe ich liebend gerne zu Sissi nach Meran (Via G, Galilei 44), die flüssige Pizza von Andrea Fenoglio lässt den Abend gut starten und danach gibt es für mich immer ein besonderes Fischgericht. Das letzte Mal Triglia.
Wie heißt der Barkeeper Ihres Vertrauens und wo mixt er Ihre Cocktails?
Ich trinke viel lieber Wein als Cocktails und in dieser Hinsicht ist Cristian, der die Winebar Sasso’s in Seis am Schlern (Schlernstraße 9) führt, ein absoluter Spitzenbarkeeper. Er hat nicht nur auserlesene Weine und verteilt (unaufdringlich) gute Ratschläge, sondern ist auch immer guter Dinge. Sollte es aber doch mal ein Cocktail werden, dann unbedingt Bloody Mary in der Laurin Bar in Bozen (Laurinstraße 4).
In welchem Hotel steigen Sie ab, wenn Sie durch Südtirol reisen, auf der Suche nach neuen Talenten?
Normalerweise sind meine Erkundigungsreisen in einem Tag erledigt, aber viele Projekte für das Museion sind in einem Hotel entstanden, und zwar an der Bar oder im Park des Hotel Laurin (Laurinstraße 4). Die einmalige Atmosphäre dieses Hotels stimmt auch die Kreativen positiv.
Abschließend: Drei Dinge, ohne die Sie Südtirol nach einem Urlaub nicht verlassen würden?
Einen Lagrein von Alois Lageder (Grafengasse 9, Margreid an der Weinstraße), die Produkte von jungen Südtiroler Designern von Pur Manufactur, die wir für Bozen exklusiv in unserem Museion Shop verkaufen, und eine Tasche der Designerin Zilla.
