Die Insider, Fashion & Lifestyle
Die Grazerin Tina Herzl kam durch ihre Mutter, ein isländisches Topmodel der 60er- und 70er-Jahre, schon früh mit Mode und Kunst in Kontakt. Heute arbeitet sie als freie Fotografin in Wien. Graz durch die Augen einer Fotografin.
Als Fotokünstlerin haben Sie bestimmt einen Lieblings-Blickwinkel von Graz. Wo finden wir diesen?
Es gibt mehrere gute Ecken, aber den wirklich besten Blick auf Graz hat man von der Gaststätte Himmelreich von der Platte aus (Plattensteig 22). Einerseits sieht man über die gesamte Stadt, über das Grazer Feld bis in die Südsteiermark, und andererseits sieht man praktisch alle Gebirge, die das Grazer Becken umspannen. Ein großartiger Ort für einen romantischen Abend!
Was trifft eher zu: Graz ist die kleinste Großstadt oder die größte Kleinstadt Österreichs?
Ich würde sagen, Graz entwickelt sich immer mehr zur (kleinen) Großstadt. Die Stadt hat kulturell sehr viel zu bieten. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Grazer sich dessen bewusst sind.
Es gibt immer wieder Stimmen, die sagen, dass Graz nach dem Kulturhauptstadtjahr 2003 kulturell abgebaut hat. Können Sie das nachvollziehen?
Ganz im Gegenteil. Ich finde, dass sich Graz während und seit dem Kulturhauptstadtjahr 2003 sehr gut entwickelt hat. Ich denke da an Veranstaltungsreihen wie das Spring Festival für elektronische Musik und das Designfestival Assembly, neue Cafés, Bars, Restaurants und Geschäfte. Ganz abgesehen von meinem heiß geliebten Steirischen Herbst und dem alljährlichen Jazz Sommer, den es ja schon seit Jahrzehnten gibt.
Architektur in Graz: Was sollte man sich ansehen?
Der frisch renovierte Kastner & Oehler hat gerade einen internationalen Architektur-Designpreis als Department Store des Jahres 2011 erhalten. Ich finde zu Recht. Wenn man da hineingeht, hat man das Gefühl, man ist in London oder Paris. Die neue Terrasse wird vom Restaurant Eckstein betrieben und man sieht da wunderbar über die Dächer der Altstadt. (Sackstraße 7)
Welches Viertel von Graz hat sich in den letzten Jahren besonders gut entwickelt?
Vor allem das Kälberne Viertel um das Kunsthaus hat sich extrem entwickelt. Das, was früher eine der schlechtesten Ecken der Stadt war, ist jetzt die angesagteste Gegend. Ich finde den Speisesaal des Hotel Wiesler toll (Grieskai 4-8) und ich treffe auch gerne Freunde bei Marcello am Lendtplatz. Die Straßen dazwischen wimmeln nur so von Bioläden, Shops, Cafés und Lokalen, in denen sich die frisch angesiedelten Graphiker und Architekten tummeln.
Was ist Ihnen in letzter Zeit in Graz als ganz neu aufgefallen?
Es gibt neben der „Vogelweide“ ein neues Restaurant am Kaiser-Josef-Platz. Total nett! Da kann man samstags ab 12 Uhr auf den abgebauten Markttischen ein Plätzchen finden und essen oder ein Glas Wein trinken.
Wer ist der wichtigste Designer der Stadt?
Ich bin im Moment ganz verknallt in die Brillen von Andy Wolf (K&Ö, Sackstraße 7). Aber wer Graz besucht, sollte unbedingt auch bei Lena Hoschek vorbeischauen (Joanneumring 3)!
Kann man in Graz gut shoppen?
Zweimal im Jahr gibt es einen riesigen Flohmarkt auf dem Messegelände. Den sollte man nicht versäumen! Man findet wundersamste Sachen und trifft die merkwürdigsten Leute. (Fröhlichgasse)