Die Insider, Hotel & Travel
Christian Knapp, Jonathan Lutter und Theresia Kohlmayr sind sogenannte Urbanauts und bieten mit ihren “Street Lofts” in Wien eine neue Form des Wohnens. Dabei werden leere Gassenlokale in Hotelzimmer umgewandelt und das umliegende „Grätzel reanimiert“.
Urbanauts klingt interessant. Worum geht es bei diesem Hotelkonzept genau?
Wir bieten unseren Gästen eine Alternative zum klassischen Hotel. Urbanauts ist kein vertikal angeordneter, anonymisierter Betrieb, sondern ein Angebot „off the beaten track“. Wir beschreiben es als Camping in der Stadt. Die Stadt wird zur Lobby, unsere “Fellows” (Partnerbetriebe) bieten sämtliche Services, nur eben horizontal in der Umgebung verteilt, wobei die Qualität der Einzelleistungen für den Besucher steigt. Unsere “Street Lofts” betritt man direkt von der Straße aus und landet in überdurchschnittlich großen Räumen, die einen privaten, diskreten Rückzugsort im Zentrum der Stadt ermöglichen. Wir möchten unsere Gäste auf ein atmosphärisches, authentisches Erlebnis einladen, Bewohner dieser Stadt zu sein, auch wenn es sich nur um einen kurzen Zeitraum handelt.
Mit Ihrem Konzept setzen Sie neue Trends. Wo lassen sich die in Wien am besten umsetzen?
Die Lage im Elisabethviertel gleich neben dem neuen Hauptbahnhof (wo weitere Street Lofts entstehen werden) ist top. Deshalb konzentrieren wir uns auf alle innerstädtischen Lagen, innerhalb des Gürtels, die besonders charmant und authentisch sind. Gerade sie sind für Wien-Besucher am spannendsten.
Gassenlokale haben etwas Unmittelbares: Mit nur einem Schritt ist man im Geschehen. Wo muss man in Wien noch hin, um „on the edge“ zu sein?
„On the edge“ klingt für Wien fast etwas zu aufregend. Wir haben hier eine ziemlich spannende und bunte Szene, die sich in vielen Aspekten ihren entschleunigten, genussorientierten Charakter bewahrt hat. Wir empfehlen einen Blick in die Stadtzeitung Falter in einem der Kaffeehäuser und dann ab in die Stadt!
Wir machen einen Stadtbummel: Was zeigen Sie dem Individual-Reisenden?
Wir starten natürlich im “Street Loft” und beginnen den Tag mit einem ausgiebigen Frühstück im Café Goldegg (Argentinierstraße 49, 1040). Ein Spaziergang durchs Freihausviertel mit seinen Shops und Galerien führt uns zur Margaretenstraße. Vorbei an frischen Designerläden, gut durchmischt mit Handyshops und Wettbüros landen wir samstags beim Flohmarkt am Naschmarkt. Ein schneller Kaffee im Café Sperl und wir erkunden die Gumpendorfer Straße. Ein Zwischenstopp in der St. Charles Apotheke (Gumpendorfer Straße 30, 1060) oder für den persönlichen Treat zwischendurch eine Stunde im St. Charles Hideaway (Gumpendorfer Straße 33, 1060). Am Abend gibts dann ein Schnitzel im Café Anzengruber (Schleifmühlgasse 19, 1040).
Sie waren während Ihres Architekturstudiums auf Exkursion in Kolumbien. Was können wir Österreicher von den Südamerikanern lernen?
Besonders imponiert hat uns in Kolumbien die lateinamerikanische Gelassenheit und Begeisterungsfähigkeit, die Offenheit und das Improvisationstalent der Menschen. Gerade im urbanen Kontext gibt es spannende städtebauliche Konzepte, die das Leben auf der Straße in einer neuen friedlichen Ordnung zelebrieren.